Die erfolgreichste KTV Athletin außerhalb der Turnhalle ist zweifelsfrei Carolin Hingst. Die in Mainz lebende
Harburgerin schaffte nach vier Weltmeisterschaften (2001 – Edmonton / 2003 – Paris / 2005 – Helsinki / 2007 – Osaka)
und einer Teilnahme an Olympischen Spielen (2004 – Athen) zum zweiten Mal die Qualifikation für das größte
Sportereignis der Welt. Im Stabhochsprung der Frauen belegte Caro, die bis zum 18. Lebensjahr ausschließlich in
der Schnitzelgrube der Hermann-Kessler-Halle zu finden war, nach einer souveränen Vorkampfleistung
(übersprungene 4,50) mit hervorragenden 4,65 m den sechsten Platz. Nachfolgend einige Fragen an Caro:
Nach vier Weltmeisterschaften konntest du dir
in diesem Jahr zum zweiten Mal das Ticket zu den Olympischen
Spielen sichern. Was war das für ein Gefühl als du dir
mit dem Titelgewinn bei der Deutschen in Nürnberg dein
„Pekingticket“ gesichert hattest?
Ich war überglücklich, als ich vor meinem 3.Versuch bei 4,60m registriert habe, dass ich mir nicht nur das Ticket
sondern auch den Titel gesichert habe! Ich hab voller Freude gejubelt, alle Emotionen herausgeschrieen und bin in
der Gegend herum gesprungen. Ich denke das war mein wichtigster und größter Erfolg.
Welchen Stellenwert hatte für dich die erneute
Teilnahme an den Olympischen Spielen im Vergleich zur
ersten Teilnahme? Was war bei deinen zweiten Spielen
anders als vor vier Jahren?
Bei mir ging anfangs alles so fix, im 3.Jahr Stabhochsprung wurde ich 10.te bei der WM. Doch 2004 machte ich in Athen
meinen schlechtesten WK in der ansonsten super verlaufenen Saison. Ich habe mich von allen möglichen Dingen aus der
Ruhe bringen lassen. Aber daraus habe ich gelernt, und wollte bei meinen zweiten Olympischen Spielen all meine
Erfahrungen einsetzen und es besser machen.
Sportlich gesehen lief es ja in Peking richtig
rund – nach einer überzeugenden Finalqualifikation mit
4,50 m gelang dir ein toller Wettkampf mit übersprungenen
4,65 m, den du am Ende mit Rang sechs abgeschlossen
hast. Wie sieht dein sportliches Fazit aus?
Ich bin natürlich sehr sehr glücklich, zwei solch gute Wettkämpfe (Quali + Finale) hingelegt zu haben. Anfangs war ich
etwas enttäuscht, weil ich mit drei ungültigen Sprüngen aufgehört habe, aber nach ein paar Stunden wurde mir schon
bewusst, welch geiles Ergebnis ich hier mit meinem 6.Platz gemacht habe. In 4 Jahren wird es sehr sehr schwierig
werden dieses Ergebnis zu toppen!
Caro mit dem deutschen Fahnenträger Dirk Nowitzki
Mit über 90.000 Zuschauern war das Pekinger
„Vogelnest“ in der Regel ausverkauft. Ist es für dich
etwas Besonderes vor einer derartigen Kulisse zu springen?
Bist du bei einem Wettkampf vor so vielen Zuschauern
nervös?
Ich springe immer gerne vor Publikum. Und noch lieber wenn meine Freunde und meine Familie zuschauen. Und ich wusste
dass alle zuhause mitfiebern und mir Rückhalt und Energie geben werden. Und dann kam noch dazu, dass die Chinesen immer
was riefen, was ich als „Caro Caro“ verstand. So waren 90.000 hinter mir.
Yelena Isinbaeva ist derzeit die überragende
Athletin im Stabhochsprung der Frauen. Wie ist das Verhältnis
von euch zur russischen „Überfliegerin“? Gibt es unter
euch Athletinnen bestimmte Freundschaften?
Mit einigen Mädels verstehe ich mich richtig gut, und quatsche auch im Wettkampf etwas mit denen. Aber mit Yelena hab
ich mich noch nie viel unterhalten. Es wird „Hallo“ gesagt und „Congratulations“ und dann macht jeder sein Ding.
Mittlerweile hat sie ja einen Trainer, der ihr erlaubt, dass sie mit uns spricht ...
Für viele Sportler wäre es ein Traum einmal
zwei Wochen im Olympischen Dorf zu wohnen. Kannst du
uns das Olympischen Dorf und die spezielle Atmosphäre
die dort herrscht etwas beschreiben?
Ja, das kann ich mir gut vorstellen, dass da viele Mäuschen spielen möchten. Für mich war es in Athen überwältigend,
so viele andere Sportler und Sportlerinnen - dicke, dünne, ganz ganz große, total exotische und und und - zu sehen.
Ich konnte mich kaum auf mich konzentrieren. Aber diesmal war es anderes. Ich hab schon viel mit den anderen Athleten
beim Essen in der Mensa gequatscht, aber dann bin ich auf mein Zimmer und habe die Ruhe genossen. Erst nach meinen
Wettkämpfen habe ich all das andere aufgenommen und die 24h Mensa genossen.
Caro im Olympischen Dorf
Mit Dirk Nowitzki wohnte auch einer der deutschen
Superstars im Olympischen Dorf. Sind generell alle Sportler
dort oder bevorzugen manche das Hotel? Welche Sportstars
hast du denn im Olympischen Dorf getroffen?
Die amerikanischen Basketball-Stars hab ich nur am letzten Tag nach der Abschlussveranstaltung im Dorf gesehen. Der
Dirk dagegen war immer da und der Nadal, Kiefer, Schüttler auch. Und dann gabs noch Ronaldinho, der auch fast keine
Minute allein war, weil alle von und mit ihm ein Foto machen wollten. Und dann die Jamaikaner – z.B. den coolen Usain
Bolt und viel viele mehr. Die kleinen Turnerinnen und dünnen Gymnastinnen habe ich natürlich auch nicht übersehen.
Die Grundlagen für deine Stabhochsprungkarriere
hast du bis achtzehn bei der KTV in der Turnhalle gelegt.
Was verbindet dich heute noch mit dem Turnen und was
hast du noch an den Geräten drauf?
Turnen ist nach wie vor eine große Leidenschaft von mir. Mindestens ein mal pro Woche bin ich in der Turnhalle. Dieses
Jahr hab ich z.B. wieder Doppelschraube am Boden gemacht. Und Überschlag Überschlag Salto vorwärts. Mit Riesen und
Freien Felgen und Unterschwung-Salto Abgang ect. schaut´s auch ganz gut aus. Aber am Balken und Sprung halte ich mich
eher selten auf.
Als frühere Zweitligaturnerin bist du ja auch
in Turnerkreisen ein Insider. Wie schätzt du schneidet
die KTV in der Zweitligasaison 2008 ab und was kannst
du den KTV Turnern für die Saison mit auf den Weg gaben?
Ich denke die KTV wird dieses Jahr wieder Meister!!! Auf den Weg geben kann ich euch nur das Motto „übe dich auch
in Dingen an denen du verzweifelst„. Viele Grüße , Eure Caro!
Das Olympische Feuer im Pekinger Vogelnest